Herbst 2009: Italien – Lago Maggiore – Modena –  Ferrari - Florenz –

Venedig




Bella Italia

Zwei Wochen Herbstferien - nach der spannenden Tour im Vorjahr zieht es uns wieder nach Italien. Wettervorhersagen gecheckt: Es wird kalt, aber sonnig. Mit einem gemieteten „Eura LS 580“-Wohnmobil geht es im Oktober 2009 über die Alpen. (Eine Routen-Karte ist ganz unten im Beitrag.)



Lago Maggiore




Lago Maggiore an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien



Erste Station: Lago Maggiore. Am See fallen die Felswände steil ab und die kleine Straße windet sich entlang der Uferlinie. An Ascona vorbei, kurz hinter der italienische Grenze entdeckten wir eine Reihe von Wohnmobilen mit der Schnauze direkt zum Lago. So einen Blick wollten wir auch. Schnell auf den Campingplatz abgebogen und kurz danach hatten wir ein perfektes Panorama. Mittlerweile war ein Sturm aufgezogen und der Lago warf ordentliche Wellen.





Links: Wohnmobil mit Ausblick - Rechts: Cannobio am Lago Maggiore

Der kleine Ort Cannobio (Region Piemont) am Westufer des Sees hat einen schönen zentralen Platz am Ufer (Via Magistris), mit Cafés und Restaurants. Hier saßen wir nach einem Spaziergang durch die historische Altstadt mit dicken Jacken nachts draußen, ein ausgezeichneter Grappa wärmte von innen.





Links: Cannobio - Rechts: Exquisites Grappa-Angebot

Enge Gassen und versteckte Winkel prägen die Altstadt.  Das historische Zentrum aus dem 13. Jahrhundert ist auf einem Schwemmkegel des Flusses Cannobino gebaut worden. Geht man die kleinen Gassen hinunter zum Seeufer lädt die weite Uferpromenade mit Blick auf die Berge am anderen Ufer zum bummeln ein.




Panorama: Lago Maggiore - Blick auf Cannobio





Modena




Modena: Piazza Grande mit Dom San Geminiano und Rathaus

Am Nachmittag ging es weiter in die Po-Ebene nach Modena (Region Emilia-Romagna). Die Universitätsstadt hat einen schönen und recht großen Altstadtkern ohne allzu viele Touristen und die Region ist außerdem das Zentrum des italienischen Motorsports. In Modena produziert Maserati und de Tomaso. 20 Kilometer weiter schrauben die Ferrari-Meschaniker in Maranello (siehe unten) ihre Boliden zusammen und Lamborghini baut in Sant' Agata Bolognese.





Links: Ruhige Innenhöfe - Rechts: Cafes und Bars an der Piazza Grande

Bei einem Bummel durch die Altstadt landet man irgendwann auf der zentralen Piazza Grande mit Dom San Geminiano und dem frei stehenden Glockenturm Torre Ghirlandina sowie dem Rathaus (Palazzo Communale). Auf der Piazza ist immer Leben und in den kleinen Seitenstraßen lässt sich an jeder Ecke ein Espresso trinken oder in einem der vielen kleinen Restaurants gut essen.




Kleine Cafes und Bars in Modena





Links: Studenten relaxen auf der Piazza Grande - Rechts: Im Dom





Bella Italia

Modena hat für uns genau die richtige Mischung aus schöner Altstadt und lebendiger Kultur, ohne dass einem Touristenmassen überrennen.



Maranello – Ferrari




Galleria Ferrari in Maranello


Von Modena aus düsten wir mit unserem Wohnmobil ins knapp 20 Kilometer entfernte Maranello zu Ferrari. Wir sind eigentlich keine Autofans, aber die „Galeria Ferrari“ hat uns angenehm überrascht. Wer schöne Formen und gutes Design mag, kommt hier auf seine Kosten.





Links: Ferrari  Dino 246 GT, 1970, 2419 ccm, 195 PS, 7500 U/min. - Den Wagen benannte Enzo Ferrari nach seinem früh verstorbene Sohn - Rechts: Überdesignte Flunder





Zum Sterben schön: Alfa Romeo 8C 2900 Lungo, 1938


Leiht euch einen elektronischen Führer auf Deutsch und bummelt durch die Ausstellung. Man sollte einen halben Tag einplanen und das Wochenende meiden. Natürlich stehen die aktuellen Ferraris im Mittelpunkt. Doch  am besten haben uns die Oldtimer gefallen. Vor allem der Alfa Romeo „8C 2900 Lungo“ aus dem Jahr 1938, zum Sterben schön.




Fiumalbo - Apennin




Links: Fahrt über den Apennin - Rechts: Ski-Ort Fiumalbo




Links: Piaggio "Ape" - mit Überrollbügel! - Rechts: Italienische Lutschpastillen

Von Maranello aus fuhren wir weiter Richtung Süden über den Apennin. Zu unserer Überraschung entdeckten wir in dem Mittelgebirge Skipisten und Lifte. In dem Ski-Örtchen Fiumalbo stromerten wir durch enge Gassen, ließen uns den Espresso schmecken und bewunderten einen dreirädrigen Piaggio „Ape“.




Florenz




Blick von der Piazza Michelangelo auf Florenz - in der Mitte der Dom


Mit Schwung ging es in die Ebene des Arno und Florenz lag uns zu Füßen. Im wörtlichen Sinne, denn der Campingplatz "Michelangelo" liegt in einem Olivenhain am Hang und von unserem Womo konnten wir die Kuppel des Doms sehen. Im Sommer unbedingt reservieren, im Oktober waren genug Plätze frei..




Neptunbrunnen auf der Piazza della Signoria im Zentrum von Florenz


Vom Platz aus ist man zu Fuß in ca. 30 Minuten im Zentrum der toskanischen Hauptstadt. Zuerst läuft man zur Piazza Michelangelo mit ihrem prächtigen Blick über den Arno auf Florenz. Die Treppen hinunter und bald steht man auf der zentralen Piazza della Signoria.





Links: David von Michelangelo - Rechts: Palazzo Vecchio


Neben dem mächtigen Neptunbrunnen steht auf dem Platz eine Kopie von Michelangelos David vor dem dominierenden Palazzo Vecchio. Gleich nebenan sind die Uffizien mit ihrer weltberühmten Gemäldesammlung, vor allem Bildern aus der italienischen Renaissance. Ein Stunde Wartezeit muss man selbst im Oktober einrechnen.




Links: Nahe den Uffizien mit dem Turm vom Palazzo Vecchio - Rechts: Gasse mit Domkuppel

Es lohnt, sich auf die Uffizien vorzubereiten. Das Museum hängt voll mit Bildern und man wird von den vielen Eindrücken schier erschlagen - selbst mit einem elektronischen Guide. Unser Tipp: Lest vorher etwas über die Sammlungen und konzentriert euch dann auf wenige, ausgesuchte Gemälde.




Ohne Motorroller geht nichts in Florenz

Wer zum ersten Mal Florenz besucht, der sollte unbedingt die Doppeldecker–Touristen-Busse nehmen. Sie fahren wie Linienbusse in einer großen Acht alle Sehenswürdigkeiten ab und man kann an allen wichtigen Punkten aus- und einsteigen. So kommt man auch bis in das oberhalb von Florenz gelegene Fiesole. Ein Haltepunkt ist an der Piazza Michelangelo, nahe dem Campingplatz.




Links: Portal des Doms - Rechts: Dom mit Glockenturm

Neben der Piazza della Signoria sind der Dom Santa Maria del Fiore und Giottos  Glockenturm die Sehenswürdigkeiten. Die Kuppel der viertgrößten Kirche Europas dominiert das Stadtbild. Die Fassade des Doms ist prächtig verziert. Umso überraschender ist die karge Ausstattung des Inneren. Das Hauptschiff kommt eher wie eine Markthalle daher. Nur die Kuppel des Domes ist wieder aufwendig ausgemalt.




Links: In der Markthalle von San Lorenzo - Rechts: Im Mercato Centrale gibt es alles

In Florenz könnte man Wochen verbringen und hätte doch nur einen kleinen Teil gesehen. Neben vielem anderen hat uns hat die Markthalle von San Lorenzo sehr gut gefallen, nicht weit vom Dom entfernt. Im Mercato Centrale findet man alle Zutaten für die italienische Küche. Vom ausgesuchten Olivenöl bis zu Trüffeln, Fleisch und Innereien, Gemüse, Obst, einfach alles.


Links: Kleiner Spezialitätenladen in einer Gasse - Rechts: Ausgesuchte Schreibwaren

Vor allem der abendliche Bummel durch die Gassen mit ihren Geschäften macht Laune. Hier ist man noch weit weg vom H&M-Einerlei. Viele Geschäfte mit ausgesuchten Waren vom exklusiven Essig bis zu handgemachten Schreibutensilien sind hier zu finden.




Blick vom Campingplatz "Michelangelo" auf die Domkuppel




Montepulciano




Montepulciano - Blick vom Wohnmobilstellplatz beim Busbahnhof

Geschafft von Florenz ging es in den Weinort Montepulciano in der Südtoskana. Montepulciano ist in jüngster Zeit weltweit bekannt geworden, da hier große Teile des Filmes „New Moon“ gedreht wurden. Ältere Semester berauschen sich lieber am Vino Nobile di Montepulciano, einem Sangiovese-Wein (rote Rebsorte), den wir wärmstens empfehlen können.





Gasse und Weinladen (Enoteca) in Montepulciano

Im Herbst hatten wir am Abend die Gassen fast für uns. Nur hin und wieder huschte jemand über das Pflaster. Viele kleine Läden hatten trotzdem noch offen und das Personal Zeit für die wenigen Kunden, im Sommer mag das anders sein.





Links: Der Kupferschmied zeigt seine Arbeit - Rechts: Kupferpfannen

Am Vorabend hatten wir schon die Werkstatt eines Kupferschmiedes gesehen, leider hatte er schon geschlossen. Am nächsten Tag kamen wir rechtzeitig und ein freundlicher Herr zeigte uns seine Werkstatt, in der schon sein Großvater gearbeitet hatte. Er schlug einen Kessel an und führte uns am gleichmäßigen Klang des Stückes vor, wie sauber er gearbeitet hatte. Im Regal stand ein aufwendig gearbeitete Servierplatte, die ein Berliner Restaurant bei ihm bestellt hatte. Ein kleiner Kupfertiegel reiste mir uns nach Hamburg.




Links: Rathaus von Montepulciano - Rechts: Dom

Das Wohnmobil ließen wir auf dem Stellplatz am Busbahnhof stehen und liefen in die Stadt hinauf, die geschützt von mittelalterlichen Stadtmauern auf einer Kuppe inmitten von Weinbergen liegt. Kleine Wein- und Spezialitätenläden dominieren die steilen Gassen, die zum zentralen Platz (Piazza Grande) mit altem Dom und dem Palazzo Comunale (Rathaus) hinauf führen. Vom Turm des Rathauses hat man einen tollen Rundumblick und kann bei gutem Wetter sogar den Lago Trasimeno sehen.




Lago Trasimeno



Lago Trasimeno

An diesem etwa 30 Kilometer östlich von Montepulciano gelegenen See erholten wir uns noch einen Tag. Nahe dem Ort Passignano sul Trasimeno fanden wir einen netten Wohnmobilstellplatz, direkt am kleinen Hafen (Via Europa).




Links: Wohnmobilstellpaltz am Lago Trasimeno - Rechts: Blick auf Passignano sul Trasimeno

Der Lago gab sich alle Mühe und belohnte uns mit wunderbaren Sonnenunter- und Aufgängen. Im Oktober war es hier absolut entspannt und genau das Richtige, bevor wir Richtung Norden drehten und nach Venedig aufbrachen. "Was machst du? Ich schaue und genieße, sonst nix".




Venedig




Canal Grande mit Rialto-Brücke

Nach ca. 400 Kilometern quer über den Apennin und durch die Po-Ebene erreichten wir Punta Sabbioni, einen Ortsteil von Cavallino-Treporti an der Adriaküste. Punta Sabbioni liegt auf einer Landzunge, die einen Teil der Lagune von Venedig bildet. Der bewachte Wohnmobilstellplatz ist nur etwa 500 Meter vom Schiffsanleger entfernt. Von dort kommt man mit dem Vaporetto, einer Art Wasserbus-Linie mit festen Anlegestellen,  direkt ins Zentrum von Venedig.




Markusplatz mit Werbung - irgendwie muss ja das Geld reinkommen

Wir kauften uns einen 72-Stunden-Fahrschein. So konnten wir unser Wohnmobil stehen lassen. Denn das Vaporetto bringt einen über den Canal Grande zum Markusplatz, oder zu den Inseln wie Murano oder Burano.




Die gute Stube am Markusplatz


Im Herbst entfaltet Venedig in den Abend- und Nachtstunden seinen Zauber. Die Touristenmassen versickern und so kann man teilweise fast allein durch die engen Gassen streifen, in verschwiegenen Kneipen einen Grappa trinken, Musik in den offenen Kirchen genießen oder einfach dem leisen Wellenschlag in den Kanälen lauschen.




Links: Veneziansiche Maske - Rechts: Canal Grande

Lichtschein fällt aus Fenstern, eine beleuchtete Maske weist den Weg, plötzlich gemütliches Gemurmel aus einem Weinlokal. Elegant gekleidete Geschäftsleute sitzen zwanglos neben Bauarbeitern mit Cordhose; das Fußballspiel in Fernseher fasziniert alle. Nur in der Ecke trinkt ein Liebespaar verträumt einen Wein.




Links: "Unser" Restaurant - Rechts: Weinbar

Wir entdeckten ein kleines Restaurant, das in keinem Führer empfohlen war, aber Einheimische anzog. Rustikal mit direktem Kontakt zum Koch, ausgezeichnete Schweinerein zu einem erträglichen Preis. Wir könnten stundenlang hier sitzenbleiben, während die Zeit draußen hetzt.




Links: Gondel - Rechts: Mondänes Schaufenster

Es war lausig kalt in Venedig und ein eisiger Wind pfiff über das Wasser. Wir mummelten uns dick ein, doch ob der Kälte hatten wir in der Nacht selbst den Markusplatz oder die Rialto-Brücke fast für uns allein. Noch schöner muss es im Dezember in den Gassen von Venedig sein, wenn der Nebel aus den Kanälen aufsteigt und die Lichter und Laute noch gedämpfter sind.




Burano



Burano


Mit dem Vaporetto drehen wir eine Lagunen-Runde und stiegen zunächst auf der Insel Burano aus. Die Häuser Buranos strahlen in allen Farben und ihre Eingänge liegen nur eine Handbreit über dem Wasser der Kanäle. Die Boote werden direkt vor der Haustür festgemacht.



Burano in der Lagune von Venedig




Links: Altes Handwerk in Burano - Links: Moderne Glas-Skulptur in Murano

Bekannt ist Burano für seine Spitzenstickerei. Die wenigen alten Frauen, die diese Handarbeit noch beherrschen, arbeiten allerdings im Wesentlichen für die Touristen. Trotzdem fanden wir ihre Arbeit spannend. Im Oktober war es auf der Insel relativ ruhig und so konnten wir gemächlich auf den Stegen an den Kanälen entlang schlendern und die Ruhe genießen. Auf dem Rückweg nach Venedig stiegen wir in Murano aus. Doch kalter Regen fiel und nervig viele Touristen suchten nach Glasbläsern. Wir hatten kein Glück, fast alles Bläsereien waren geschlossen oder reine Touristen-Fallen.




Werbung und Kunst




Modernes Design und klassische Musik

Am letzten Abend besuchten wir nochmals „unser“ kleines Lokal in Venedig, das versteckt aber nicht weit von der Rialto-Brücke liegt.  Auf dem Hinweg hatten wir eine Konzertankündigung gesehen: Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Spontan Karten gekauft, gut gegessen und dann die Musik genossen. Selbst unser 14-jähriger Sohn war von Musik und Musikern, dem Ambiente des alten Konzertsaals und der Atmosphäre beeindruckt.




Links: Verlassener Markusplatz - Rechts: Rialto-Brücke

Bei eiskaltem Regen spazierten wir in der unserer letzten Nacht durch die leergefegten Gassen der Lagunenstadt. Wir genossen die Stimmung, die Lichter, einen kleinen Absacker in einer Bar und stiegen mit der Gewissheit in ein Vaporetto, dass dies nicht der letze Besuch in Venedig war.




Blick von der Rialto-Brücke auf den Canal Grande


Heimwärts nach Hamburg: Mit dem Wohnmobil machten wir uns auf die ca. 1340 Kilometer lange Heimfahrt.  Nahe Kaltern in Südtirol kauften wir direkt vom Feld eines Apfelbauern zwei große Kisten "Pink Lady" für kleines Geld. Über Bozen und den Brenner, Innsbruck, München ging es gen Norden.





Unsere Tour:

Hamburg - Cannobio: 1090 km
Cannobio -   Modena: 320 km
Modena - Maranello: 20 km
Maranello - Fiumalbo: 70 km
Fiumalbo - Florenz: 100 km
Florenz - Montepulciano: 110 km
Montepulciano - Passignano sul Trasimeno: 40
Passignano sul Trasimeno - Venedig: 450
Venedig - Hamburg: 1470

In Italien: 1110 km
Gesamt: 3670 km

Unsere Strecke:







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