Paris - Paris



Copyright Tour Eiffel - Illuminations Pierre Bideau

Eiffelturm


Paris ist der Hammer - sagen meine Kinder. Recht haben sie, Paris ist überwältigend, laut, riesig, wunderschön, hektisch, anregend ... Paris ist Frankreich - letztlich.

Anfang und Mitte der 80er begeisterte mich die Seine-Metropole, danach gab es andere Ziele und als wir mit den Kindern unterwegs waren, lautete deren Killerfrage: "Paris? Kann man dort angeln?" - "Nö, nicht so recht." Womit sich die Stadt als Reiseziel disqualifiziert hatte. Doch die Brut wird  glücklicherweise älter und mit 13 war für die Tochter Paris plötzlich ein Thema. Der zwei Jahre jüngere Bruder zog mit und so beschlossen wir auf der Herbsttour 2006, erstmals mit den Kindern durch Frankreichs Hauptstadt zu ziehen.

Für Camper gibt es zwei Lösungen: Entweder man fährt in der Nebensaison und bekommt ohne Reservierung einen Platz auf dem relativ innenstadtnahen
Campingplatz im Bois de Bologne. Im Sommer muss man dort Monate vorher reservieren und schon morgens um 7.00 Uhr stehen Camper am Eingang und hoffen, dass jemand außerplanmäßig abfährt und sie dessen Platz ergattern - viel Spaß.

Die Alternative ist, sich um Paris herum einen Campingplatz mit gutem Schnallbahnanschluss (RER) zu suchen. Ich war mal auf einem, der lag auf einer Insel im Fluss, hab' leider vergessen, wo das war. Am besten ist es, dann mit der Bahn nach Paris zu fahren, aber das zieht sich immer und dauert. Man kann auch mit dem Auto in die Stadt fahren. Der Verkehr ist eher hektisch und ein preiswerter Parkplatz kaum zu ergattern.

Doch wir hatten ja einen Stellplatz im Bois de Bologne. Der ist besser als sein (schlechter) Ruf und es ist trotz aller Gerüchte kein abgewrackter Parkplatz. Der Campingplatz hat einen schönen Baumbestand, die Parzellen sind durch Hecken abgetrennt, die Sanitäreinrichtungen sind schon etwas älter aber ok. 






Historische Metro-Schilder




Der Campingplatz hat eine eigene Busverbindung direkt  zur "Porte Maillot". Zudem gibt es ganz in der Nähe eine Linienbus-Haltestelle (244). An der "Porte Maillot" steigt man um in die Metro. Am Kassenhäuschen am besten eine 10er-Karte besorgen. Die Mehrtageskarten lohnen erst, wenn man genau weiß, was man machen will.

Wer Paris noch nicht oder kaum kennt, fährt am besten mit der Nr. 1, das ist die älteste Metro-Linie der Stadt, die Strecke Porte Maillot - Porte de Vincennes (wurde am 19. Juli 1900 eröffnet) bis zur "Place Charles de Gaulle". Dort steigt man aus dem Untergrund und steht direkt vor dem Triumphbogen (Arc de Triomphe), einem der Wahrzeichen von Paris.





Triumphbogen - Arc de Triomphe


Am besten ist es, nicht gleich auf den Triumphbogen zu steigen, sondern sich erst einmal einen Überblick über die Metropole verschaffen. Und dazu eignen sich die (blöden) Touristenbusse besonders gut. Früher konnte ich sie auch nicht leiden, wie sieht das denn aus? Aber in Paris kennt einen eh keiner. Also zum Beispiel einen Doppeldecker von "Cars Rouges" entern - jede andere Touri-Linie geht auch. 

Das Zwei-Tages-Ticket kostet 22 Euro (Kinder 4- bis 12 Jahre 11 Euro, 2008 ). Man bekommt Kopfhörer und geht am besten auf das offene Oberdeck. Beliebt (aber fast immer besetzt) sind die Sitze ganz vorne, dort ist die Sicht klasse und man sitzt recht windgeschützt. Im unteren Teil des Busses sieht man relativ wenig von der Stadt. Hat man einen Platz ergattert, an dem auch die Kopfhörer-Anschlüsse gut funktionieren, wird einem die mehr als zwei Stunden dauernde Rundfahrt komplett auf Deutsch erklärt.

Es gibt sicher bessere und elegantere Möglichkeiten, Paris zu erkunden. Da ihr mit einem normalen Paris-Touristen unterwegs seid, folgen wir mit dem roten Doppeldecker einfach dem Touri-Trampelpfad und fahren die Avenue des Champs-Elysées hinunter. Sie ist eine der bekanntesten Boulevards, eine weltberühmte Flaniermeile - und ernüchternd langweilig.

Gewiss, hier und in den Nebenstraßen (z. B. Avenue Montaigne) kann man bei Luis Vuitton ein Täschchen zum Preis eines Kleinwagens erstehen, beim Parfumeur Guerlin das olle Pitralon gegen ein Habit Rouge tauschen und bei der offiziellen Citroen-Ausstellung einen C6 mit Maserati-Motor ordern. Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass jeder schon irgendwo eine schönere, elegantere Straße gesehen hat. Die Champs-Elysées zeigen erst im Lichterglanz der Nacht ihren Charme, doch davon später.





Petit Palais



Der Bus fährt die Champs-Elysées Richtung Richtung Place de la Concorde, wo der Obelisk von Luxor steht - und wo Ludwig XVI. sowie Marie-Antoinette unter der Guillotine einen Kopf kürzer gemacht wurden. Doch den Platz wollen wir später queren. Der Bus biegt rechts auf die Avenue Winston Churchill ein, wo rechts das Grand Palais und gegenüber das Petit Palais liegen. Die Bauten wurden zur Weltausstellung 1900 errichtet und sind seit 2005 prächtig restauriert. Beide Palais beherbergen Museen, dort finden aber auch große Veranstaltungen statt. Die Gebäude gehören zu den architektonischen Glanzstücken der Metropole.





Blick von der 1. Plattform des Eiffelturms über die Seine



Wir fahren weiter und queren zum ersten Mal die Seine auf dem Pont Alexandre III. mit seinen beiden großen Säulen, auf denen das geflügelte Pferd Pegasos steht. Es geht die Seine entlang und schon bald stehen wir am Fuße des Wahrzeichens von Paris, des Eiffelturms. Er ist mächtig beeindruckend, die Kinder waren baff, ein erster Höhepunkt für den Nachwuchs. Allerdings ist auch der Rummel enorm. Sollte es nicht gerade ein glasklarer Tag mit toller Weitsicht sein, ist ein Besuch bei Nacht eine echte Alternative. Wir sind so um 21.00 Uhr hoch, kaum Warteschlangen, alles halbwegs entspannt. Tagsüber kann man stundenlang in der Schlange stehen, entsprechend groß ist das Gedränge. Bis zur 1. Plattform kostet es 4,60 Euro, zur 2. Plattform 7,40 Euro und zur Spitze 12,00 Euro pro Person, Kinder etwa 60 % davon.




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Links: Eiffelturm - Rechts: Eiffelturm, Blick  von der 2. Plattform zur Spitze





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Der Turm besteht aus 18.038 vorgefertigten Eisenteilen und wird mit 2,5 Millionen Nieten zusammengehalten


Ob es die oberste Plattform in 276 Metern Höhe sein muss, bleibt jedem selbst überlassen. Uns hat es Spaß gemacht, von ganz oben über das Lichtermeer von Paris zu blicken. Aber nicht bei starken Wind zu empfehlen, der Turm (327 Meter) schwankt leicht und es bläst dann heftig. Jede Stunde wird der Eiffelturm mit Tausenden von Blitzlichtern in ein glitzerndes Lichtermeer getaucht. Als wir das hörten, dachten wir, wie kitschig. Steht man aber erst einmal vor dem Turm, bezaubert einen das Glitzern doch, es sieht überraschend schön aus.






Invalidendom - Dôme des Invalides



Vom Eiffelturm geht es entlang des Marsfeldes vorbei am Invalidendom - Dôme des Invalides. Unter der mächtigen Kuppel des Domes befindet sich Napoleon Bonapartes letzte Ruhestätte. Ursprünglich als Heimstatt für alte Soldaten von König Ludwig XIV. errichtet, ist der Dom heute eine der wichtigsten Barock-klassizistischen Bauten Frankreichs. In der Dämmerung waren auch die Kinder von der Kuppel beeindruckt.






Panorama des Louvre


Weiter geht es entlang der Seine Richtung Louvre. Früher standen an beiden Ufern der Seine viele sogenannte Bukinisten, heute sind nur noch wenige übriggeblieben. Die Buchhändler verkaufen antiquarische und neue Bücher. In vielen der auf der Kaimauer festgemachten Buchkisten macht sich aber mehr und mehr Touristenkitsch breit. Trotzdem macht es an einem sonnigen Tag Spaß, zwischen Büchern, alten Stichen und Werbeschildern herumzustöbern.






Links: Pyramide, der Eingang des Louvre - Rechts: Blick aus der Pyramide





Vor der Pyramide im Innenhof des Louvre
 

Der Louvre ist ein Muss, macht aber ratlos. Die ehemalige französische Königsresidenz hat mich immer genervt. Stand man früher vor Öffnungsbeginn schon stundenlang Schlange, um dann eingepfercht in eine Touristengruppe an der Mona Lisa vorbeigeschoben zu werden, ist es heute etwas besser organisiert. Wie immer hat es sich gelohnt, abends zu kommen. Im Zentrum des Louvre leuchtet einladend die gläserne Pyramide. Das Farbenspiel lockte auch unsere Kinder. Verblüfft stellten sie fest, dass die Pyramide eigentlich nichts anderes als ein tolles "Pförtnerhäuschen" für die Louvre-Museen ist.





Links: Louvre-Buchhandlung, um dieses Bild geht es - Rechts: Soll hier zu sehen sein



Einfach abends in die Pyramide hinabsteigen (kostet noch nix), ein Faltblatt besorgen, und dann in Ruhe entscheiden, was man sehen will. Sollte es, wie bei uns, unbedingt die Mona Lisa sein müssen, dann macht euch auf reichlich Rummel gefasst. Zu meiner Überraschung durfte man sogar mit kleinen Digitalkameras und Handys fotografieren. Vor dem Bild ging es zu wie beim Preisboxen, war auch ein Erlebnis. Wer sich für die Bilder Zeit nimmt, sollte unbedingt einen der elektronischen Führer ausleihen. Sie sehen aus wie Handys und erklären einige ausgewählte Bilder auch auf Deutsch. Die Texte sind in Vergleich zu früher wirklich interessant, sogar unser Nachwuchs konnte sich für das gesprochene Wort und die Bilder begeistern.





Eingangsportal von Notre Dame






Links: Notre Dame - Rechts: In der Kirche Notre Dame



Sozusagen ums Eck steht die Kirche Notre Dame auf der Seine-Insel Île de la Cité. Diese Insel inmitten des Flusses ist der Ursprung von Paris. Die Kinder köderten wir zunächst mit der Geschichte vom Glöckner von Notre Dame. Als sie das imposante Kirchenportal sahen, hatten sogar sie Lust hineinzugehen. Einen Rundgang machen, mit einem kleinen Obolus kann man die Reliquien-Sammlung der Kirche sehen.







Links: Les Halles, hier standen früher die Markthallen - der Bauch von Paris - Rechts: Eingangsfront des Centre Georges Pompidou



Von Notre Dame kann man zu Fuß einen längeren Schlenker zu den ehemaligen Markthallen von Paris machen: Les Halles. Heute ein unterirdisches Einkaufszentrum, früher der brodelnde "Bauch von Paris", wie ihn Émile Zola in dem gleichnamigen Buch so eindringlich beschrieben hat. Wir finden Les Halles ganz nett und von hier aus kann man per pedes gut das Centre Georges Pompidou erreichen.





Links: Fassade des Kulturzentrums  - Rechts: Gläserne Rolltreppen an der Fassade







Ausstellung im Centre Georges Pompidou



Das Centre Georges Pompidou sieht spektakulär aus. Alle technischen Anlagen sind außen am Gebäude angebracht. Gläserne Rolltreppen steigen an der Fassade hoch, rote Fahrstühle laufen auf und ab und die farbigen Leitungssystem an der Außenhaut verleihen dem Gebäude etwas technisch Lebendiges. Auf dem großen Platz vor dem Kulturzentrum spielen Musiker, es treten teilweise recht gute Artisten auf und Straßenkünstler finden ihr Publikum.

Das Centre Georges Pompidou beherbergt das Museum für Moderne Kunst, meist mit Sonderausstellungen, und das Zentrum für Industrie-Design. Einfach reingehen, sich Zeit nehmen und treiben lassen.





Blick auf den Place de l'Opéra von der Rue Halévy. Die Oper ist halblinks, grüne Kuppel.


Fahren wir weiter zu Pariser Oper - Opéra Garnier, das lässt sich gut mit einem Besuch im Edel-Kaufhaus Galeries Lafayette verbinden, der berühmte Konsumtempel liegt direkt hinter der Oper. Mit der Oper ist hier das Palais Garnier gemeint, 1875 eröffnet. Die neue Oper steht am Place de la Bastille. Garniers Opéra, auch durch das "Phantom der Oper" von Gaston Leroux berühmt geworden, glänzt mit einer an Skulpturen reichen Fassade und ist eines der größten Opernhäuser der Welt.








Links:  Pariser Oper - Opéra Garnier - Rechts: Edelkaufhaus Galeries Lafayette




Links: Cars Rouges - Touri-Bus mit Werbung für die Galeries Lafayette - Rechts: Jugendstil-Halle im Lafayette



Es lohnt, sich für einen Bummel durch die Nebenstraßen Zeit zu nehmen. In der Metropole kann man tagelang unterwegs sein und immer Neues entdecken. Im Großraum Paris leben knapp 10 Millionen Menschen und jeder der 20 Stadtbezirke  - Arrondissements - ist anders. Es eröffnen sich immer neue Bilder.






Links: Galerie - Rechts: Thierry Bonnet: Le Fleuriste du Chocolat - Blumenbouquets aus Schokolade





Links: Paris will erobert werden - Rechts: Eine ungewöhnliche Begegnung auf den Champs-Elysées





Links: Hotel du Louvre - Rechts: Bank Societe Generale bei der Oper







Bistros und Restaurants in den Seitenstraßen




Zurück geht es mit dem Bus wieder über die Champs-Elysées zum Triumphbogen. Inzwischen ist es Abend geworden und wir wollen einen Blick über den erstrahlenden Boulevard werfen. Durch eine kleine Unterführung geht es zum Triumphbogen. Unter der Wölbung des Bogens brennt die Ewige Flamme, die an die namenlos Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnert. Für etwa 5 Euro geht es eine enge Wendeltreppe auf den Bogen mit einem prächtigen Blick über den Champs-Elysées zur Place de La Concorde. Oder, die andere Richtung zum modernen Paris, den Hochhäusern um die Grande Arche (dt.: großer Bogen).




Triumphbogen - Arc de Triomphe





Links: Blick vom Triumphbogen auf die Champs-Elysées - Rechts: Unter dem Bogen ist das Grabmal des unbekannten Soldaten mit der Ewigen Flamme




Wenn man sich sattgesehen hat, kann man einen nächtlichen Bummel über die Champs-Elysées machen. Jetzt erwacht der Boulevard zum Leben, Tausende Menschen flanieren entlang der erleuchteten Geschäfte, vorbei an Bars und Restaurants. Doch, so können sie einem gefallen, die Champs-Elysées.





Links: Champs-Elysées - Rechts: Fassade an den Champs-Elysées





Beide Fotos: Louis Vuitton





Luxus auf den Champs-Elysées





Champs-Elysées





Au Revoir


Fin - Ende der Rundfahrt, für die man mindestens zwei bis drei Tage einplanen sollte. Und wie gesagt, es ist nur eine Möglichkeit, sich Paris zu nähern, und selbst dann hat man nur einen Bruchteil der Stadt gesehen. Aber man hat einen ersten Überblick und danach kann sich jeder "sein" Paris selbst erobern. Viel Spaß dabei.

Dieser Streifzug durch Paris war jeweils die Schlussetappe der Herbsturlaube:







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